Panamericana

Niagarafälle – ein Muss?

Im Algonquin Park

„It’s a jewel!“ meint der ältere Herr, der gerade auf der Parzelle nebenan mit seiner Frau einen kleinen Faltcamper aufbaut. Er meint den Algonquin Provincial Park, wo wir auf dem Campground Nachbarn sind. Den beiden sympathischen Rentnern aus Ottawa gefällt unser kleines Kischdle, sie finden nämlich auch, dass die hierzulande üblichen RVs und Trailer mit dem ursprünglichen Camping nicht mehr viel zu tun haben.

Da haben die beiden nicht unrecht, denn diese monströsen Camperfahrzeuge sind nicht nur besonders lang, hoch und breit, sie haben auch allen erdenklichen Luxus an Bord. Von diversen Slightouts über Klimaanlagen, Waschmaschinen und Gefrierschränke bis hin zu Mikrowelle, Backofen und TVs wird alles mitgeführt, was das Leben angenehm machen soll. Autark stehen geht mit solchen Boliden nicht so leicht, denn als erstes werden auf dem Campground Stromkabel verlegt, die uns vom Durchmesser her an unseren Wasserschlauch erinnern…

Unser Wohnmobil fällt bei den hiesigen Campern total aus dem Rahmen und genießt vielleicht deshalb auch einen gewissen Sympathiebonus. Immer wieder werden wir nämlich auf unser Fahrzeug angesprochen! Manchmal ist unser komplettes Wohnmobil nicht größer als das Zugfahrzeug eines Wohnwagentrailers…

„Handlicher“ Wohnwagen

Doch was hat das mit den Niagarafällen zu tun? Nun, diese Wasserfälle sind ja eigentlich ein Muss für alle Kanadatouristen. Auch wir hatten bereits Kurs auf Toronto genommen, denn das liegt auf dem Weg dorthin, wenn man nicht durch die USA fahren will oder kann. Wenn man aus dem Osten kommt, führt die Route am Sankt-Lorenz-Strom entlang und streift alle Metropolregionen von Québec über Montreal, Ottawa und Toronto. Hier leben und arbeiten die meisten Kanadier. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Um es kurz zu machen, wir waren zunehmend genervt. Vom Verkehr, von der dichten Besiedelung, vom fehlenden „Kanadafeeling“. Zwar ist auch „dichter“ Verkehr viel weniger stressig als in Deutschland, denn hier wird sehr defensiv und rücksichtsvoll gefahren und selten über 100km/h. Aber wenn dann auch noch kaum Wege abseits der Straßen vorhanden sind (nahezu jedes kleine Sträßchen führt nur zu einem privaten Anwesen) und jeder Parkplatz am Wasser ein Schild aufweist, dass übernachten hier nicht erlaubt sei, kommt Frust auf, denn die meisten Campingplätze sind auch noch geschlossen!

Nicht die „Reißleine“ sondern ein Tau der Fähre

Deshalb haben wir die Reißleine gezogen und den Kurs geändert. Bereits wenige Kilometer abseits der Metropolregionen gelangen wir in Landschaften, die nicht so dicht besiedelt sind, die viel Wald und Wasser bieten – und uns die ersehnte Ruhe bescheren. Und dass wir inzwischen vom Spätwinter direkt in den Frühsommer katapultiert wurden tut dem Urlaubsfeeling keinen Abbruch.

Und die Niagarafälle? Na ja, ein bisschen schade ist es schon, dass wir sie nicht sehen werden. Aber wir haben schon die eher noch imposanteren Iguacú Wasserfälle gesehen und brauchen den ganzen Rummel, der bei den Niagarafällen herrscht, nicht unbedingt. Wir sitzen hier mitten in der Natur und genießen die Ruhe und den herrlichen Ausblick, schauen Enten, Gänsen und Eich- und Erdhörnchen zu und sind sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Das meinen übrigens auch unsere Campingnachbarn. Sie kommen aus Ottawa und waren seither nur einmal bei den Fällen. Und das würde ihnen reichen, dort gäbe es zu viel Kitsch und Rummel. ;-)

Und hier kommen wie gewohnt noch ein paar Bilder:

4 Kommentare

  • Altmann Michael

    Hallo und Respekt vor der Entscheidung. Ich musste auch gar nicht lange nachdenken um sie gut zu finden. Aber dennoch gehört auch etwas Mut dazu sich so zu entscheiden und das auch zu schrieben. Alle Daumen hoch dafür 👍🏻👍🏻 .
    Weiterhin alles Gute für euch und viele Grüße von uns.

    • admin

      Hallo ihr Zwei,
      schön, hier etwas von euch zu lesen! Ja, mit der Entscheidung auf die Niagarafälle zu verzichten, haben wir (eigentlich nur Mary) uns auch ein bisschen schwer getan. Aber inzwischen haben wir hier schon so viel Schönes gesehen (z.B. schon zwei Mal einen Elch und einmal einen Schwarzbären), dass wir nicht traurig sind, den dortigen Trubel ausgelassen zu haben.
      Und ordentliche Wasserfälle gibt es hier ja auch… 😉
      Viele Grüße aus Ontario,
      Mary und Pit

  • Birgit Mayer

    … vermutlich werden die Niagarafälle überbewertet und deren Besuch ist irgendwie doch sehr spießig 😉….. alles gut gemacht!!!

    • Pitti24

      Genauso sehen wir das auch 😉 Außerdem hab ich die Niagarafälle schon 1968 (!) gesehen gehabt u schon damals war das ein Magnet für riesige Menschenmassen. Nicht so das unsere. Ich geh ja auch nicht ins Neckarstadion, wie das früher mal hieß… 😎