Panamericana

Veracruz – oder – Ein Schiff wird kommen

Alter Hafen Veracruz

„Nie mehr verschiffe ich unser Wohnmobil,“ schimpft Pit, als er vom Hafen kommt. „Nie mehr!“

Was war passiert? Dazu müssen wir zunächst ein paar Tage zurück gehen.

Ausläufer eines Hurrikans streifen uns auf dem Campground

Schon als wir uns Veracruz, der großen Hafenstadt am Golf von Mexiko, nähern, versuchen wir, unseren Agenten für die Verschiffung per Mail zu erreichen. Aber wir bekommen keine Antwort und sind deshalb etwas unsicher, ob der Rücktransport unseres Campers klappen würde. Als erstes Ziel wählen wir also die Adresse der Agentur. Es ist Donnerstag gegen Mittag.

Im Büro wird uns erklärt, die für uns zuständige Mitarbeiterin wäre heute nicht hier, aber wir sollten doch schon mal ein paar Unterlagen per Mail senden. Bis zur Abfahrt des Schiffes sei es ja noch eine ganze Woche, da könne alles weitere am Montag erledigt werden.

Tlacotalpan

Es gibt nur wenig Campmöglichkeiten in und um Veracruz, aber ein Platz direkt am Meer wird uns zur Homebase. Dort erledigen wir den Versand der Dokumente und beschließen, über das Wochenende noch einen Ausflug nach Tlacotalpan zu machen. Es ist eine alte Kolonialstadt, deren Stadtkern unter dem Schutz der UNESCO steht. Im Garten eines Hotels haben wir einen ruhigen Nachtplatz gefunden, als wir am nächsten Tag eine Mail unserer Agentin bekommen, ob wir um 10 Uhr im Büro sein könnten. Es ist aber bereits 11 Uhr und wir sind 100 km von Veracruz entfernt… Kein Problem, meint sie dann, ob wir am Montag um 9 Uhr im Büro sein könnten?

Ein Wolkenbruch überschwemmt die Straßen und wir werden klatschnass, als wir am Montag vom Parkplatz zur Agentur laufen. Es ist Punkt neun Uhr – und niemand öffnet uns die Tür! Erst mit etwas Verspätung kommt endlich unsere Agentin und jetzt bekommen wir genau erklärt, wie die nächsten Schritte aussehen werden. Heute um 12 Uhr werden wir mit einem Mitarbeiter der Agentur zur Staatsbank Banjercito begleitet, um die Ausfuhr unseres Campers zu tätigen.

Meer bei Veracruz

Und morgen soll dann der Fahrer (es darf nur eine Person sein!) das Auto in den Hafen fahren. Auf einer DIN A 4 Seite ist zwar zusammengefasst, wie die Prozedur im Hafen ablaufen wird, aber vor Ort sieht später alles anders aus. Am Mittwoch oder am Donnerstag soll dann die Zollkontrolle des Fahrzeugs erfolgen, dabei dürfen wir beide zugegen sein, aber der Eigentümer muss zwingend vor Ort sein.

Der Termin beim Banjercito ist unspektakulär, die meiste Zeit vergeht mit Warten auf einen freien Mitarbeiter. Nach einer knappen Stunde ist alles erledigt, das Kischdle ist aus Mexiko ausgeführt. Die entsprechenden Dokumente benötigt man im Hafen, sonst darf das Fahrzeug das Land nicht verlassen!

Hotelturm in Veracruz

Anders sieht es am Dienstag aus. Pit muss um 10 Uhr den Camper in den Hafen fahren. Dabei wird er zwar wieder von Angel, dem Mitarbeiter der Agentur, begleitet, aber der muss in einem separaten Auto bleiben und darf nicht überall dabei sein. In einer endlos langen LKW-Schlange quälen sich Pit und das Kischdle vorwärts – und mangels guter Beschilderung verpasst Pit den Abzweig zur Röntgenkontrolle. Jetzt muss er noch einmal außen rum und sich erneut einreihen. Bei weit über 30° in der Sonne! Insgesamt dauert es vier Stunden, bis Pit wieder im Hotel ist!

Am Mittwoch passiert nichts mehr, was mit der Verschiffung zusammen hängt. Wir haben „Freizeit“ und die verbringen wir am Abend mit Ariane und Warden, die wir in Tlacotalpan. kennengelernt hatten. Sie fahren ein ähnliches Wohnmobil wie wir und wir haben uns gegenseitig viel zu erzählen. Es ist ein kurzweiliger Abend!

Die Außenstaufächer sind ausgeräumt

Um 10 Uhr am Donnerstag ist die Zollkontrolle anberaumt. Weil Pit im Hafen falsch gefahren sei, müsse er nun eine Strafe zahlen und er dürfe heute nicht mit auf das Hafengelände. Also muss ich (Mary) das alleine absolvieren. Angel fährt mich zum Hafen, wo unser Kischdle einträchtig neben Mammut von Ariane und Warden steht. Zum Glück müssen wir nicht lange warten, denn es ist schon wieder gnadenlos heiß und Schatten gibt es keinen. Die Dame vom Zoll will in jede Schublade und in jedes Staufach schauen. Was drin ist interessiert eigentlich nicht, sie macht nur ein schnelles Handyfoto von jedem Fach.

Aber ätzend ist, dass ich die Außenstaufächer total ausräumen muss, damit die Dame alles fotografieren kann. Auch hier interessiert nicht, was in den Boxen ist, es wird nur fotografiert. Zum Schluss kommt noch der Drogensuchhund, aber der hat keine große Lust zur Arbeit und schnüffelt nur widerwillig an unserem Hab und Gut – und findet selbstverständlich nichts.

Endlich kann ich alle Staufächer wieder einräumen und sämtliche Türen abschließen. Nur die Fahrerkabine bleibt offen, den Zündschlüssel haben die Hafenarbeiter. Alle anderen Schlüssel bleiben bei uns. Das Kischdle ist reisefertig. Bleibt nur noch zu hoffen, dass es auf dem richtigen Schiff landen wird, denn die beiden anderen Wohnmobile in der Wartereihe sollen nach Buenos Aires verschifft werden…

Die „Strafe“ von 10.000 Peso, später heruntergehandelt auf 1.200 Peso, haben wir übrigens nicht bezahlt. Ob das ein Fake war? Wir wissen es nicht.

Während unser Camper nun zu einer Karibikkreuzfahrt startet, werden wir noch einen Urlaub von der Reise einlegen. Bis zur Ankunft unseres Kischdle in Europa schauen wir uns noch ein wenig in Mexiko um. Doch davon dann mehr beim nächsten Mal. Bis dahin gibt es wie immer noch ein paar Bilder:

 

4 Kommentare

  • Jens Eichenberg

    Hallo Mary und Pit,
    vielen Dank für eure Antwort. So sehen wir das auch – im Zweifelsfall ist man wahrscheinlich froh, etwas dabei zu haben, was einem selbst oder evtl. auch anderen helfen kann.
    Viel Freude noch im Mexiko – vielleicht war es für die Mexikaner ja ein kleiner Trost, dass auch die deutsche Nationalmannschaft nicht weitergekommen ist… 🙂
    Jens

  • Jens Eichenberg

    Oh man – und da schimpfen alle möglichen Leute auf die hiesige Bürokratie… Jaja, ich musste schon vor dreißig Jahren etliche 💵💰“unauffällig“ in den Reisepass einfügen, damit es an der Grenze in Südamerika weiter gehen konnte… Aber nun habt ihr ja alles Wesentliche über die Bühne bringen können, schön❗👍 Das mit der angedrohten Strafe war vielleicht eine spezielle Art dortigen Humors – speziell für Ausländer. 😉
    Eine kleine Frage am Rande: habt ihr bei all euren Reisen mit dem Oman jemals die Sandboards benötigt❓ Ich gewinne allmählich den Eindruck, dass man die nur braucht, wenn man allzu unvorsichtig in sandigem Terrain unterwegs ist, oder❓ Es gibt auch so viele Videos vom Oman im Schnee, dass man selbst dort die offenbar nicht braucht. Oder eher das Motto: lieber haben als brauchen❓
    Viel Freude noch im Mexiko🍹❗
    Jens 🙋🏼‍♂️

    • admin

      Hallo Jens,
      schön, dass wir wieder einen Kommentar von dir lesen dürfen! Die Sandbleche haben wir zum Glück noch nie einsetzen müssen, ebensowenig die anderen Bergematerialien, die wir dabei haben. Also Seil, Schäkel oder auch die zusätzlichen Bergeösen vorne. Aber so richtig im Sand sind wir auch noch nirgends gefahren und auch richtigen tiefen Schlamm mussten wir noch nirgends meistern. Bislang hatten wir es eher mit steinigen und felsigen Offroadpisten zu tun.
      Trotzdem werden wir die Bergeutensilien auch weiterhin mitführen, sicher ist sicher… 😉
      Dankeschön für deine Zeilen und sonnige Grüße aus Mexiko,
      Mary und Pit